IG Metall Ostbrandenburg
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04.07.2022, 17:07 Uhr

Zweiter Warnstreik im ArcelorMittal-Stahlwerk

1000 Stahl-Beschäftigte in Eisenhüttenstadt legen die Arbeit für vier Stunden nieder und erhöhen den Druck weiter

  • 09.06.2022
  • Aktuelles

Rund 1000 Beschäftigte im ArcelorMittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt sowie bei fünf Dienstleistern und Zulieferern haben am Donnerstag, 9. Juni, mit ihrem zweiten Warnstreik innerhalb einer Woche ein weiteres, unmissverständliches Signal Richtung Arbeitgeber gesendet. An den drei Toren zum Werksgelände war zwischen 5.00 und 9.00 Uhr kein Durchkommen, weil die Kolleginnen und Kollegen dort geschlossen für ihre Tarifforderungen demonstrierten. Infolge dessen stand die Stahlproduktion in Eisenhüttenstadt für vier Stunden still.

Drei von rund 1000 Kollegen und Kolleginnen, die sich heute an dem vierstündigen Warnstreik in der Stahlbranche in Eisenhüttenstadt beteiligten. - Fotos: Volker Wartmann

Holger Wachsmann (am Mikrofon), Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg, forderte die Arbeitgeber auf, endlich ein ernsthaftes Angebot auf den Tisch zu legen.

Auch bei VEO waren nahezu alle Beschäftigten zwischen 5.00 und 9.00 Uhr vor dem Werk.

IG Metall-Vertrauenskörperleiter Vadim Stroka (links) und der Betriebsratsvorsitzende des ArcelorMittal-Stahlwerks, Dirk Vogeler (rechts), berichteten den Kolleginnen und Kollegen vom Stand der Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite.

Auf der Zufahrt vor Tor 1 versammelten sich mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen.

Warnstreik bei Sonnenschein: nur mit Sonnenbrille ...

Auch vor Tor 2 war die Stimmung bei den Beteiligten gut.

Gute Laune und Warnstreik sind kein Widerspruch.

Neben den im Stahlwerk beschäftigten Kolleginnen und Kollegen legten auch die Beschäftigten bei den fünf Dienstleistern und Zuliefern Imperial CON-PRO, Vulkan Energiewirtschaft Oderbrücke (VEO), ArcelorMittal Recycling, ArcelorMittal Transport und ArcelorMittal Eisenhüttenstadt Forschungs- und Qualitätszentrum mit guter Laune bei strahlendem Sonnenschein die Arbeit für vier Stunden nieder.

„Bisher gibt es von der Arbeitgeberseite noch immer keine klaren Signale, dass sie bereit ist, uns entscheidend entgegenzukommen“, sagte Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg. „Mit diesem zweiten Warnstreik mit einer wiederholt sehr hohen Beteiligung wollen wir den Druck auf die Arbeitgeberseite vor der nächsten Verhandlungsrunde noch einmal erhöhen. Der Arbeitgeberseite sollte spätestens jetzt sehr klar sein, dass wir es mit unseren Tarifforderungen sehr ernst meinen. Mit ernst meinen wir: Wir wollen Prozente sehen.“

Eine Einmalzahlung, wie von den Arbeitgebern vorgeschlagen, sei „völlig inakzeptabel“, so Wachsmann: „Die Preise steigen ja auch nicht nur einmalig. Darum muss die nächste Lohnerhöhung dauerhaft sein, das heißt tabellenwirksam.“

„Wenn die Arbeitgeber sich bei der nächsten Verhandlungsrunde Anfang kommender Woche noch immer nicht bewegen sollten, werden wir uns bereits nächste Woche hier vor den Toren wiedersehen“, sagte Wachsmann zu den Kolleginnen und Kollegen. „Auch wenn wir das nicht wollen: Wenn die Arbeitgeber uns weiterhin nicht entgegenkommen, sind wir gezwungen, bald über eine Urabstimmung und über einen unbefristeten Streik nachdenken zu müssen.“ Die Forderungen der Kolleginnen und Kollegen seien „mehr als berechtigt“, so Wachsmann. „Darum sind sie auch sehr entschlossen, diese Forderungen durchzusetzen.“

„Nachdem die Arbeitgeber gesagt haben, dass der erste Warnstreik kaum Auswirkungen gehabt habe, legen wir heute nach“, sagte Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender im ArcelorMittal-Stahlwerk. „Die Arbeitgeber scheinen etwas begriffsstutzig zu sein. Sie haben zwar gesagt, sie wollten nachdenken, aber bis jetzt ist noch nichts passiert.“ Er sei gespannt, ob die Arbeitgeber ihre „Jammerorgie“ beim nächsten Verhandlungstreffen fortsetzen, so Vogeler. „Den Arbeitgebern muss klar sein: Wir werden weiter Zähne zeigen und nicht lockerlassen. Wenn es erforderlich ist, können und werden wir weiter nachlegen. Wir sind kampfbereit.“

„Angesichts des demografischen Wandels sind für uns bei VEO neben Lohnsteigerungen die Weiterführung der Tarifverträge Altersteilzeit und die Beschäftigungssicherung ganz besonders wichtig“, betonte Heiko Nühse, Betriebsratsvorsitzender bei VEO. „Es ist wichtig, dass sowohl die älteren Kolleginnen und Kollegen eine Zukunft bei uns haben und dass es auch für junge Menschen attraktiv ist, hier zu arbeiten.“

Zum Hintergrund: Die IG Metall fordert für die rund 8000 Beschäftigten in der ostdeutschen Stahlindustrie eine Erhöhung der Monatsentgelte um 8,2 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus sollen die Tarifverträge zur Altersteilzeit, über den Einsatz von Werkverträgen und zur Beschäftigungssicherung verlängert werden. Die Arbeitgeber haben in der ersten Verhandlungsrunde eine Einmalzahlung von 2100 Euro angeboten, aber keine Erhöhung der monatlichen Gehälter. Dieses Angebot weist die IG Metall als in Volumen und Struktur völlig unzureichend zurück. Die dritte Verhandlungsrunde in der ostdeutschen Stahlindustrie ist für den 13. Juni 2022 angesetzt.