IG Metall Ostbrandenburg
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03.02.2023, 01:02 Uhr

Delegiertenversammlung in Erkner

„Die Herausforderungen werden auch im kommenden Jahr nicht weniger.“

  • 10.12.2022
  • Aktuelles

Die aktuelle Lage in zahlreichen Betrieben in der Region, die Aktivitäten der IG Metall Ostbrandenburg in den vergangenen Monaten und die Vorstellung der Arbeit des IG Metall-Teams Tesla-Grünheide waren wichtige Themen auf der vierten Delegiertenversammlung 2022 der IG Metall Ostbrandenburg am 10. Dezember im Bildungszentrum Erkner.

Die Delegiertenversammlung am 10. Dezember 2022 fand zum vorletzten Mal im Bildungszentrum Erkner statt. - Fotos: Volker Wartmann

Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg, stellte den aktuellen Geschäftsbericht vor.

Die letzte Delegiertenversammlung des Jahres 2022 war gut besucht.

Adriana Slomczewska (links) unterstützt die Geschäftsstelle Ostbrandenburg voraussichtlich bis Oktober 2023. Rechts ihre Kollegin Conny Schumann.

Jörg Ullrich

Jörg Ullrich von der IG Metall Ostbrandenburg berichtete von der aktuellen Sitution beim Traditionsunternehmen Kocks Adelt Kranbau in Eberswalde.

Betriebsrätin Doreen Klawokowski schilderte die schwierige Situation bei DSD IAT in Eisenhüttenstadt.

Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender beim ArcelorMittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt, informierte die Delegierten über die politischen Aktivitäten des Betriebsrats.

Kurzarbeit steht bei Boryszew in Prenzlau weiterhin auf der Tagesordnung. Das berichtete Betriebsrätin Eileen Littmann.

Micheal Hecker (rechts) vom IG Metall-Team Grünheide berichtete von den Herausforderungen bei der Erschließung beim Automobilkonzern Tesla.

Revisor Andreas Kokolsky liest seinen Bericht vor.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg, den aktuellen Geschäftsbericht vor. Erfreulich sei, dass sich Mitgliederzahlen und Beitragseinnahmen positiv entwickeln, so Wachsmann. „Finanziell sind wir gut aufgestellt, personalmäßig sind wir eher recht dünn unterwegs", resümierte Wachsmann. Er gehe aber davon aus, dass die Geschäftsstelle Ostbrandenburg im Februar 2023 endlich einen weiteren Politischen Sekretär einstellen werde - vor dem Hintergrund möglicher Umstrukturierungen der Geschäftsstelle erst einmal befristet bis Ende 2024. Bereits bei dieser Delegiertenversammlung stellte sich die neue Verwaltungsangestellte Adriana Slomczewska vor. Sie vertritt bis Dezember 2023 Karolina Perlak, die kürzlich Mutter wurde und sich derzeit in Elternzeit befindet.

Zu den Aktivitäten der Geschäftsstelle in den vergangenen Monaten zählten unter anderem die Durchführung eines Willkommenscamps für die neuen Auszubildenden, eines Vertrauensleuteseminars und einer Jubilarfeier für langjährige IG Metall-Mitglieder. Wachsmann stellte auch die Gewinnerinnen und Gewinner des Wasserball-Sommerfotowettbewerbs der Geschäftsstelle vor: Kristin Gerold (EKO), Bernd Saliter (Rentner), Jana Poy (EKO), Jan Ulrich (EKO) und Carry Joe Gerlach (VEO)

Betriebsrätinnen und Betriebsräte schilderten den Anwesenden die - oftmals schwierige - Lage in ihren Betrieben. Jörg Ullrich, Politischer Sekretär bei der IG Metall Ostbrandenburg, konnte erfreuliche Nachrichten von der Kocks Adelt Kranbau in Eberswalde berichten. „Es gibt voraussichtlich eine Investorenlösung für das insolvente Traditionsunternehmen", so Ullrich. „Es sieht so aus, als ob die meisten Arbeitsplätze gerettet werden könnten."

Schwierig ist weiterhin die Situation bei DSD FSME in Eisenhüttenstadt. „Vom Anerkennungstarifvertrag Stahl ist bei FSME nicht mehr so viel übrig", sagte Holger Wachsmann. „Seit vielen Jahren werden dort die Tarifergebnisse der Eisen- und Stahlindustrie nicht mehr übernommen, sondern müssen jedes Mal separat verhandelt werden. Die Kolleginnen und Kollegen müssen die ihnen zustehenden Sonderzahlungen Jahr für Jahr vor Gericht einklagen."

Die Geschäftsführung sollte eigentlich ein Interesse daran haben, endlich Ruhe in ihren Betrieb zu bekommen, so Wachsmann. „Wenn er seine Leute so behandelt, braucht sich der Arbeitgeber nicht zu wundern, dass ihm die Leute weglaufen. Wir haben der Geschäftsführung erneut eine Verhandlungsaufforderung zugesandt." Noch schlechter sieht die Situation bei DSD IAT aus. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten dort weniger Geld als die Beschäftigten bei FSME, weil sie noch immer ohne Tarifvertrag arbeiten.

Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender beim ArcelorMittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt, informierte die Delegierten über die Forderungen des Betriebsrats an die Politik und an den Konzern. Von der Politik fordert der Betriebsrat eine Beschleunigung der Förderprozesse für die Investitionsprojekte zum Grünen Stahl sowie eine Entlastung der Unternehmen von den exorbitanten Kosten für Strom und Gas, um eine wettbewerbsfähige Stahlproduktion gewährleisten zu können.

Vom Konzern fordert der Betriebsrat, eine flächendeckende Mitbestimmung und Tarifbindung aller Standorte zu gewährleisten, so Vogeler. Außerdem soll der Konzern seine Verpflichtungen erfüllen, die Investitionspläne in die Dekarbonisierung an allen vier deutschen Standorten umzusetzen.

Bei Boryszew in Prenzlau gebe es seit kurzem einen neuen Geschäftsführer, berichtete Betriebsrätin Eileen Littmann: „Die Situation bei Boryszew ist paradox. In einigen Abteilungen gibt es Kurzarbeit, in anderen werden Sonderschichten gefahren. Die Kolleginnen und Kollegen sind weiterhin sehr unzufrieden; Ende des Jahres werden wieder einige das Unternehmen verlassen."

Deutlich positiver sieht hingegen die Situation bei Hawle Guss in Fürstenwalde aus. „Bei Hawle Guss geht die Tarifbewegung jetzt in die Vollen", sagte Holger Wachsmann. "Tarifkommission und Mitgliederversammlung haben ihre Forderungsdiskussion beendet und die Geschäftsstelle Ostbrandenburg aufgefordert, die Einführung eines neuen Entgeltsystems, die Erhöhung der Löhne und Gehälter sowie das Thema Arbeitszeit zu verhandeln."

Auch bei Imperial Con Pro in Eisenhüttenstadt nehme die Tarifbewegung an Fahrt auf, sagte Wachsmann. Bei Imperial Con Pro soll es bald weitere Schritte hin zum Flächentarifvertrag geben, so Wachsmann.

Gast auf dem Podium bei dieser Delegiertenversammlung war Michael Hecker. Er leitet das IG Metall-Team Tesla-Grünheide, welches sich der großen Aufgabe stellt, das Unternehmen Tesla zu erschließen. „Tesla ist das einzige Automobilwerk in Deutschland, bei dem es keinen Tarifvertrag gibt", sagte Hecker. „Unser Ziel ist, auch bei Tesla Tarifbindung zu erreichen. Das ist eine große Herausforderung für die IG Metall. Eine vergleichbare Kampagne gab es bisher noch nicht." Die ideologische Gewerkschaftsfeindlichkeit bei Tesla ist ja bekannt, so Hecker. „Elon Musk nimmt ja für sich Anspruch, für die neue Welt zu stehen", sagte Hecker. "Dabei sind es doch wir, die Gewerkschaften, die für Innovationen stehen."

„Tarifbindung bei Tesla werden wir nicht von heute auf morgen erreichen. Wir müssen Schritt für Schritt vorgehen und brauchen einen langen Atem. Das ist ein Marathon und kein Sprint", so Hecker. „Dieses Projekt ist ein Projekt der gesamten IG Metall. Um den Basisaufbau hinzubekommen, brauchen wir aktive Metallerinnen und Metaller bei Tesla. Wir müssen es schaffen, die IG Metall bei Tesla als Instanz zu etablieren, wenn es um gute Arbeitsbedingungen geht."

Am Ende der Veranstaltung wünschte Holger Wachsmann den Delegierten schöne Weihnachtsfeiertage, alles Gute und viel Gesundheit im neuen Jahr. „Die nächste Zeit wird nicht minder anstrengend als sie dieses Jahr war. Die Herausforderungen werden auch im kommenden Jahr nicht weniger", sagte Wachsmann. „Langweilig wird es uns auf jeden Fall nicht werden. Ich freue mich sehr auf die nächsten Schritte, die wir zusammen gehen werden."

 

Bitte vormerken: Geplante Termine der Delegiertenversammlungen 2023

4. März im Bildungszentrum Erkner

24. Juni im Kulturhaus Rüdersdorf, Kalkberger Platz 31, 15562 Rüdersdorf bei Berlin

9. September im Kulturhaus Rüdersdorf

9. Dezember im Kulturhaus Rüdersdorf