IG Metall Ostbrandenburg
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28.11.2022, 08:11 Uhr

Delegiertenversammlung in Erkner

Energiekostenkrise stellt viele Unternehmen in Ostbrandenburg vor große Herausforderungen

  • 18.09.2022
  • Aktuelles

Die Folgen der Energiekostenkrise, die aktuelle – oftmals schwierige – Lage in Betrieben in der Region und die zahlreichen Aktivitäten der IG Metall Ostbrandenburg waren wichtige Themen bei der dritten Delegiertenversammlung 2022 der IG Metall Ostbrandenburg am 17. September im Bildungszentrum in Erkner.

Einstimmige Beschlussfassung bei der Delegiertenversammlung in Erkner am 17. September 2022.

Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg, stellte den Geschäftsbericht vor.

Betriebsrätin Eileen Littmann (rechts) berichtete den Delegierten von der nach wie vor sehr angespannten Lage bei Boryszew in Prenzlau.

Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt, informierte die Delegiertenversammlung über die aktuelle Situation im Stahlwerk.

Ulf Kühnel, Betriebsratsvorsitzender bei Hawle Guss, schilderte, wie sehr die gestiegenen Energiekosten das Unternehmen in Fürstenwalde belasten.

Die Delegierten hören den Berichten der Kolleginnen und Kollegen aus den Unternehmen aufmerksam zu.

Emely Knespel, Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) im Stahlwerk Eisenhüttenstadt, informierte die Anwesenden über die gute Resonanz bei den neuen Auszubildenden am Tag der Mitbestimmung.

Xenia Karapetian verlas den Bericht der Revisoren.

Andreas Kokolsky, langjähriges Mitglied der Tarifkommission Holz und Kunststoff, scheidet nach seiner Berentung im Sommer aus dem Gremium aus.

Gutes Teamwork: Die Hauptamtlichen der IG Metall-Geschäftsstelle Ostbrandenburg: Jörg Ullrich, Holger Wachsmann, Conny Schumann (von links nach rechts).

Die Delegiertenversammlung in Erkner am 17. September war gut besucht.

Jörg Ullrich (Mitte), Politischer Sekretär bei der IG Metall Ostbrandenburg, wird bald Unterstützung bei seiner Arbeit erhalten.

Betriebsrätin Eileen Littmann (Mitte) und Holger Wachsmann (links) sprechen auch nach der Veranstaltung noch über die schwierige Situation bei Boryszew in Prenzlau.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg, den aktuellen Geschäftsbericht vor. Erfreulich sei der Trend, dass Mitgliederzahlen und Beitragseinnahmen sich derzeit positiv entwickeln, so Wachsmann.

Anschließend stand die aktuelle Energiekostenkrise im Mittelpunkt der Diskussion. „Die Forderung der IG Metall nach weiteren Entlastungen angesichts der steigenden Energiepreise hat die Politik in Berlin bewegt“, sagte Wachsmann. „Aber leider bleibt die Bundesregierung bei vielem sehr vage: Die Strompreisbremse ist wichtig, aber sie greift zu kurz. Über den Gaspreisdeckel darf nicht nur gesprochen werden, die Bürgerinnen und Bürger sind auf ihn angewiesen. Die Bundesregierung muss nachbessern.“

An der Unterschriftenaktion der IG Metall „Krisengewinne abschöpfen – Kosten deckeln“ im Frühjahr haben sich bundesweit rund 200.000 Kolleginnen und Kollegen beteiligt, so Wachsmann. Allerdings sei die Beteiligung in der Region Ostbrandenburg vergleichsweise niedrig gewesen. Das habe wahrscheinlich auch daran gelegen, dass die Priorität zu dieser Zeit auf der Tarifrunde in der Stahlindustrie gelegen habe, so Wachsmann.

Vielschichtige Meinungen über Handlungsoptionen der IG Metall in der aktuellen Krise

Bei der Diskussion darüber, wie die IG Metall in der aktuellen Krise mit ihren Forderungen nach Entlastungen für die privaten Haushalte besser in die Öffentlichkeit durchdringen kann, hatten die Anwesenden unterschiedliche Meinungen und Vorschläge. „Die Situation ist akut. Viele Kollegen haben Angst, ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können und fragen: Warum sind wir als IG Metall in dieser Situation nicht sichtbar?“, so ein Teilnehmer. Ein anderer konstatierte: „Wir haben als IG Metall die Deutungshoheit über dieses Thema verloren, hier ist die AfD stark. Manche Kollegen sagen inzwischen: Wenn die IG Metall jetzt nichts macht, dann laufen wir bei den Anderen mit.“ Ein Kollege schlug vor, gemeinsam mit dem DGB eine Demonstration in Berlin durchzuführen, um der Forderung nach weiteren Entlastungen Nachdruck zu verleihen.

„Großdemos kann die Geschäftsstelle nicht nebenbei organisieren“, so Holger Wachsmann. „Wir können gemeinsam überlegen, wie wir das Thema beispielsweise mehr in die Betriebsöffentlichkeit bringen und welche betrieblichen Aktionsformen wir entwickeln können.“ Wachsmann stellte klar: „Wo politische Ziele unvereinbar sind, gibt es für uns als IG Metall keine Zusammenarbeit."

Schwierige Herausforderungen in zahlreichen Betrieben

Bei den Berichten über die Aktivitäten der Geschäftsstelle Ostbrandenburg im vergangenen Quartal konnte Wachsmann mit einer positiven Nachricht beginnen: Bei Perrin in Prenzlau hat die IG Metall Ostbrandenburg dank starker Unterstützung der Belegschaft ein gutes Tarifergebnis erzielen können: eine Lohnerhöhung von 5,4 Prozent, zwei Einmalzahlungen von jeweils 750 Euro sowie die Erhöhung der Ausbildungsvergütung auf das Niveau des Flächentarifvertrags in der Metall- und Elektroindustrie.

Wesentlich unerfreulicher stellt sich die Situation bei Kocks Adelt Kranbau in Eberswalde dar. Der Traditionsbetrieb ist in Insolvenz, die Investorensituation nach wie vor unklar. „Wir sind eng mit dem Betriebsrat in Kontakt und stellen Kontakte zur Politik her“, so Wachsmann.

Bei DSD IAT ist das Ziel, endlich in die Tarifbindung zu kommen, so Wachsmann. „Die entscheidende Frage ist jetzt, wie gut sich die Mannschaft organisieren kann – oder nicht“, sagt Wachsmann. „Jeglicher möglicher Unterstützung durch die Geschäftsstelle können sich die Kolleginnen und Kollegen sicher sein.“

Die nach wie vor sehr angespannte Situation bei Boryszew in Prenzlau schilderte Betriebsrätin Eileen Littmann. „Wir haben nach wie vor enorme Probleme. Ab Oktober wird es bei uns wieder Kurzarbeit geben. Die Leute haben nicht viel zu tun, wir fahren nur noch zwei statt drei Schichten“, sagte Littmann. „Ein großes Problem bei uns ist auch, dass immer mehr Fachkräfte kündigen.“

Bewegung gibt es bei Hawle Guss in Fürstenwalde. Dort haben sich die Kolleginnen und Kollegen auf den Weg in die Tarifbindung gemacht. „Die Mitgliederentwicklung bei uns ist sehr gut“, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Ulf Kühnel. „Die Kolleginnen und Kollegen erwarten jetzt, dass sie bald mehr Geld bekommen.“ Die Tarifbewegung wirkt bereits: Die Geschäftsführung will jetzt mit dem Betriebsrat über ein Entgeltsystem und Lohnerhöhungen verhandeln. Kühnel: „Allerdings wird der Betriebsrat auch massiv unter Druck gesetzt.“ Generell werde die Lage in Folge der rasant steigenden Energiekosten für Hawle Guss immer schwieriger, so Kühnel: „Momentan fahren wir noch drei Schichten.“

Nachdem die Lage im ArcelorMittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt vor wenigen Monaten noch ziemlich gut aussah, verschlechtert sie sich jetzt wieder zusehends. „Der Markt wird zurzeit mit billigem Stahl geflutet, die Preise sinken rapide. Wir werden im Oktober wieder in Kurzarbeit gehen müssen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Dirk Vogeler zur aktuellen Situation. „Auch die angestrebte Transformation hin zur Herstellung von grünem Stahl gestaltet sich sehr schwierig und kompliziert. Es gibt keine vernünftigen Entscheidungen bei den Förderanträgen. Die Förderung geplanter Projekte wird immer weiter nach hinten geschoben“, so Vogeler. „Im Vergleich zu anderen Stahlproduzenten hängen wir mit unseren Anstrengungen hinterher. Wir müssen weiterhin intensiv mit der Politik im Gespräch bleiben, auch wenn man sich dabei manchmal vorkommt wie Sisyphos.“

Emely Knespel, Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) im Stahlwerk Eisenhüttenstadt, berichtete den Delegierten vom großen Erfolg des so genannten Tages der Mitbestimmung im Rahmen der Einführungswoche für die neuen Auszubildenden, den die JAV kürzlich organisiert und durchgeführt hat. An diesem Tag lernen die „Neuen“ viel über die IG Metall, Betriebsrat, Vertrauensleute und JAV und erfahren, wie umfangreich ihre Mitbestimmungs- und Einflussmöglichkeiten im Betrieb sind.

Knespel warb bei den Delegierten dafür, in ihren jeweiligen Unternehmen noch Azubis für die Teilnahme am IG Metall-Welcome-Wochenende zu werben, das vom 23. bis 25. September in Prieros stattfindet. „Dieses Wochenende ist eine großartige Möglichkeit für alle neuen Azubis aus Unternehmen in Ostbrandenburg, sich untereinander kennenzulernen, sich zu vernetzen und ein Menge Spaß miteinander zu haben“, sagte Emely Knespel. „Wer nicht dabei war, bereut es im Normalfall hinterher.“

Verstärkung für die Geschäftsstelle Ostbrandenburg

Die Geschäftsstelle der IG Metall Ostbrandenburg wird in absehbarer Zeit personelle Verstärkung erhalten. „Wir haben die Stelle für einen zusätzlichen Politischen Sekretär jetzt unbefristet ausschreiben können“, erläuterte Holger Wachsmann. Für die Verwaltungsangestellte Karolina Perlak, die demnächst ein Kind erwartet und seit Kurzem in Elternzeit ist, läuft derzeit das Auswahlverfahren für die Elternzeitvertretung.

Gegen Ende stimmten Delegierten noch über mehrere Anträge des Ortsvorstandes an die Delegiertenversammlung ab. Weil einige Mitglieder der Tarifkommissionen (Tako) Stahl Ost und Holz und Kunststoff ausscheiden, mussten neue gewählt werden. Für die Tako Stahl Ost wurden die Nachwahlvorschläge Jana Poy und Leon Hafki einstimmig bestätigt, für die Tako Holz und Kunststoff Sven Hoja und Toni Krüger.

Zum Abschluss der Sitzung resümierte Holger Wachsmann: „Wir haben eine Menge Arbeit und Herausforderungen vor uns. Es wird eine spannende Zeit. Aber wir werden das packen, wenn wir zusammenhalten.“

 

Termine

Die vierte und letzte Delegiertenversammlung 2022 wird am Samstag, 10. Dezember ab 10 Uhr im Bildungszentrum Erkner stattfinden.

Bitte vormerken – geplante Termine (jeweils Sonnabende) für die Delegiertenversammlungen im Jahr 2023:

18. März

24. Juni

9. September

9 Dezember