16.03.2026 | Jörn Krumnow ist Betriebsratsvorsitzender im Spanplattenwerk Sonae Arauco in Beeskow (SAB). Dort sind 260 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt, von denen ungefähr die Hälfte im Conti-Schichtsystem arbeitet, das heißt, 7 Tage die Woche 24 Stunden. Ein Knochenjob – die Arbeitsbelastung für die Kollegen ist sehr hoch: Die Arbeit ist mit hohen physischen und psychischen Belastungen verbunden, besonders an den 12-Stunden-Wochenendschichten und in den Nachtschichten. Eine der wesentlichen Aufgaben des Betriebsrats sieht Jörn Krumnow deshalb darin, die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten perspektivisch merklich zu reduzieren.
Warum kandidierst du erneut als Betriebsrat?
Für mich ist es wichtig, mitgestalten und mitbestimmen zu können, wie mit uns Beschäftigten umgegangen wird. Ich sehe mich auch mit als Sprachrohr der Belegschaft, das die Interessen der Kolleginnen und Kollegen gegenüber der Werksleitung vertritt. Mein Bestreben ist es, dass wir als Belegschaft gemeinsam an einem Strang ziehen. Dafür ist es wichtig, jederzeit ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der Kolleginnen und Kollegen zu haben und sie über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen so gut wie möglich auf dem Laufenden zu halten.
Welche wichtigen Projekte stehen für euren Betriebsrat in der nächsten Zeit an?
Gemeinsam mit der IG Metall Ostbrandenburg kämpfen wir seit Längerem für eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die brauchen wir, um perspektivisch endlich ein 5-Schicht-System bei uns etablieren zu können. Nur so können wir die Arbeitsplätze bei uns attraktiver machen und die Arbeitsbelastung für die Kollegen senken.
Unser Schichtsystem stammt noch aus DDR-Zeiten. Zurzeit müssen die Kollegen an jedem zweiten Wochenende Samstag und Sonntag jeweils 12-Stunden-Schichten fahren. Durch dieses Schichtsystem entsteht auch Mehrarbeit. Das ist wenig attraktiv, zumal die Belastung mit steigendem Alter wächst. Im Dialog mit der Werksleitung versuchen wir konstruktive Lösungen zu finden, wie die Kollegen ihre Stunden nach und nach abbauen können. Das gestaltet sich jedoch als sehr schwierig, weil wir momentan noch nicht genug Leute sind, um auf ein 5-Schicht-Modell zu wechseln.
Ein weiteres Problemfeld ist die faire Eingruppierung der Kolleginnen und Kollegen. Unser derzeitiges Eingruppierungssystem ist annähernd 20 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß. Da müssen wir unbedingt ran. In den vergangenen Jahren hat eine starke Arbeitsverdichtung stattgefunden, die Aufgaben für die Kolleginnen und Kollegen sind komplexer und umfangreicher geworden. Ihre tatsächlichen Tätigkeiten und die von ihnen geforderte Flexibilität müssen sich in einer entsprechenden, das heißt höheren Eingruppierung widerspiegeln.
Wie unterstützt die IG Metall euren Betriebsrat?
Ohne die Unterstützung der IG Metall würde es bei uns anders aussehen. Die IG Metall Ostbrandenburg steht uns Betriebsräten stets mit Rat und Tat zur Seite, die Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle sind für uns jederzeit ansprechbar. Förderlich für die gute Zusammenarbeit mit der IG Metall ist, dass alle Betriebsratsmitglieder auch Mitglied in der Gewerkschaft sind und dass der Großteil der Belegschaft unter dem Dach der IG Metall organisiert ist. Gemeinsam mit der IG Metall kämpfen wir in diesen schwierigen Zeiten für den Erhalt unserer Arbeitsplätze. In der aktuellen Talsohle geht es darum, durchzuhalten und die Firma gemeinsam voranzubringen.
Welche Wünsche hast du für den neuen Betriebsrat?
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich mehr junge Kolleginnen und Kollegen in unserem Gremium einbringen würden. Betriebsratsarbeit ist eine ehrenamtliche Aufgabe, die sehr erfüllend sein und auch Spaß machen kann. Es erfordert jedoch einiges an Überzeugungsarbeit, vor allem Jüngere für diese Aufgabe zu begeistern. Die Arbeit bei uns im Werk ist sehr anstrengend, da braucht es schon einiges an ideeller Eigenmotivation, um ein solches Ehrenamt zu übernehmen.
Jörn Krumnow arbeitet bereits seit 1997 bei Sonae Arauco in Beeskow. Seit Frühjahr 2022 ist er dort Betriebsratsvorsitzender. Für seine Tätigkeit ist der 51-Jährige freigestellt. Der überzeugte Metaller ist gewähltes Mitglied der Delegiertenversammlung der IG Metall Ostbrandenburg und engagiert sich zudem ehrenamtlich im Ortsvorstand der IG Metall Ostbrandenburg.