23.06.2026 | Bei der zweiten Delegiertenkonferenz 2026 der IG Metall Ostbrandenburg am 20. Juni standen neben Zahlen, Daten, Fakten zur Mitglieder- und Beitragsentwicklung die Vorträge zweier Gäste im Mittelpunkt: Jan Otto, Leiter des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen, stellte den Delegierten seine politische Agenda vor. Jannes Bojert, Leiter des Tesla-Teams der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, informierte die Anwesenden über den Ablauf der Betriebsratswahlen beim E-Automobilproduzenten Tesla.
Zu Beginn der Veranstaltung präsentierte Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg, traditionell den aktuellen Geschäftsbericht. Die Geschäftsstelle Ostbrandenburg steht finanziell auf stabilen Beinen, die Mitgliederentwicklung ist solide. Beim Blick auf die Altersstruktur der Mitglieder wies Wachsmann darauf hin, dass viele Ein-Prozent-Zahler zwischen 55 und 65 Jahren in den kommenden zehn Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden werden. „Um unsere Durchsetzungsfähigkeit in den Betrieben zu erhalten, müssen wir diesen Verlust durch den Gewinn neuer Mitglieder ausgleichen.“
Hände weg vom Sozialstaat
Eine der wesentlichen Herausforderungen für die IG Metall in der aktuellen politischen Situation sei, die aktuellen Angriffe auf den Sozialstaat durch die Regierungsparteien und die Arbeitgeber aktiv abzuwehren, so Holger Wachsmann. Maßnahmen wie die Abschaffung des 8-Stunden-Tages, weniger Gesundheitsleistungen, Kürzungen und Einsparungen seien keine Reform, sondern gefährdeten die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt.
Er rief die Metallerinnen und Metaller dazu auf, sich an der Kundgebung für den Sozialstaat unter dem Motto „Jetzt reicht’s“ am 27. Juni um 12 Uhr am Invalidenpark in Berlin zu beteiligen. Wachsmann: „Lasst uns gemeinsam ein starkes Zeichen setzen – für soziale Gerechtigkeit, für Solidarität und unsere gemeinsame Zukunft.“
Der politische Sekretär Leon Hafki berichtete anschließend von dem gelungenen Jugend-1-Seminar Ende April in Berlin; Karl-Heinz Schönwalder, Leiter der AGA Eisenhüttenstadt von spannenden AGA-Seminar in Juni in Lübbenau, an dem Mitglieder der Kooperationsgeschäftsstellen Ostbrandenburg und Cottbus teilnahmen.
IG Metall BBS will starke Stimme des Ostens sein
Jan Otto, seit September 2025 Leiter des IG Metall Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen, stellte sich bei der Veranstaltung den Delegierten vor und erörterte ihnen seine politische Agenda. Er sieht den Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen als starke Stimme des Ostens, der die Interessen der ostdeutschen Industriebeschäftigten klar und deutlich ausdrückt – auch innerhalb der IG Metall. Ziel sei, die Arbeitsplätze in der Industrie im Osten zu halten, und wo möglich, auszubauen, so Otto.
Ostdeutschland besitze hervorragende Grundlagen für den Aufbau einer moderne, diversifizierten und resilienten Industrielandschaft. Entscheidend dafür sei eine gemeinsame industriepolitische Linie von EU, Bund und Ländern. „Eine weitere De-Industrialisierung würde unkontrollierbare politische Folgen nach sich ziehen“, mahnte Jan Otto an. Abschließend stellte Otto klar: „Der Betriebe ist unser zentraler Ort der Macht. Dafür brauchen wir durchsetzungsstarke und konfliktfähige Kolleginnen und Kollegen. Unsere Solidarität untereinander ist unsere stärkste Kraft. Darum lautet unser Leitbild: Immer stärker mit uns.“
IG Metall Tesla-Workers: Kraft aufbauen für die nächsten Kämpfe
Jannes Bojert, Leiter des Tesla-Teams der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, informierte die Anwesenden in seinem Gastvortrag über den Ablauf der Betriebsratswahlen beim E-Automobilproduzenten Tesla. Dabei brandmarkte er die unfairen Angriffe des Unternehmens auf die IG Metall. Jetzt gelte es, mehr Kraft für die nächsten Kämpfe aufzubauen, so Bojert.
Berichte aus den Betrieben
Betriebsrat und VK-Leiter Vadim Stroka schilderte die aktuelle Situation bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. „Das Werk ist weiterhin gut ausgelastet und wir hoffen, Ende des Jahres endlich wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen“, sagte Stroka. Weil der Konzern noch nicht in grüne Technologie investiere, setze Arcelor Mittal auf eine Streckung des Emissionshandelssystems, so Stroka. Er betonte: „Beim Stahlaktionstag in der vergangenen Woche in Berlin haben wir unsere Position klar und laut auf die Straße getragen. Jetzt sind Politik und Konzern gefordert.“
Nach Berichten aus weiteren Betrieben verabschiedete Holger Wachsmann die Delegierten und die Gäste.
Delegiertenversammlungen 2026 – bitte vormerken!
12. September im IGBCE Bildungszentrum Kagel-Möllenhorst
5. Dezember in Frankfurt/Oder (gemeinsame Delegiertenversammlung mit der IG Metall-Kooperationsgeschäftsstelle Cottbus)
Weitere Termine
27. Juni: Demo für den Sozialstaat in Berlin im Invalidenpark, 12 Uhr
29. Juni - 3. Juli: BR-1-Seminar in Burg
3. Juli: Betriebsräte-Empfang in Frankfurt (Oder)
16. - 17. September: Betriebsratsforum in Berlin
16. Oktober: Jubilarfeier in Eisenhüttenstadt