IG Metall Ostbrandenburg
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17.09.2021, 18:09 Uhr

Aktive Mittagspause bei Boryszew in Prenzlau

„Sogar die Ferienjobber im Rathaus bekommen mehr als die Beschäftigten bei Boryszew."

  • 01.07.2021
  • Aktuelles

Mit einer vierstündigen, aktiven Pausenaktion zwischen 10 und 14 Uhr haben die Beschäftigten bei Boryszew in Prenzlau am 29. Juni vor der nächsten Tarifverhandlung in der kommenden Woche ein eindrucksvolles Zeichen in Richtung Arbeitgeber gesendet: Sie fordern von der Geschäftsführung, ihre Blockadehaltung endlich aufzugeben und gemeinsam den Weg für die Einführung des Flächentarifvertrags der Holz- und Kunststoffindustrie zu ebenen. Mehrere Vertreter aus der örtlichen Politik informierten sich vor Ort über die Situation im Unternehmen und bekundeten ihre Solidarität mit der Belegschaft, unter anderem der Prenzlauer Bürgermeister.

An der vierstündigen Mittagspausenaktion bei Boryszew beteiligten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen. - Fotos: Volker Wartmann

Schattenplätze waren an diesem sonnigen Tag besonders beliebt.

Auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der Spätschicht waren bei der aktiven Mittagspause dabei.

Auch die Stadtverordneten Sören Gerulat (FDP/links) und Jörg Dittberner (Linke/2. von links) kamen zu einem Solidaritätsbesuch vorbei. Rechts auf dem Bild: Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg und der Betriebsratsvorsitzende Dennis Hoppe (2. von rechts)

Die Kolleginnen und Kollegen bei Boryszew fordern eine faire Bezahlung nach Flächentarif.

Diese Botschaft ist weithin sichtbar: Wir sind nicht oberflächlich.

Die Metaller Holger Wachsmann (links) und Dennis Hoppe (Mitte) erläutern dem Prenzlauer Bürgermeister Hendrik Sommer (rechts) die Forderungen der IG Metall.

Zur Stärkung gibt es frische Bratwürste vom Grill.

Die Botschaft auf den T-Shirts der Kolleginnen ist unmissverständlich.

Der Betriebsratsvorsitzende Dennis Hoppe (links) und Holger Wachsmann (rechts), Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, fordern von der Boryszew-Geschäftsleitung, ihre Blockadehaltung aufzugeben.

„Ich bin erschrocken, wie wenig die Beschäftigten hier bei Boryszew verdienen. Sogar die Ferienjobber bei uns im Rathaus bekommen mehr“, sagte der parteilose Prenzlauer Bürgermeister Hendrik Sommer. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Boryszew haben mehr verdient als den Mindestlohn.“ Die Einführung eines Tarifvertrages gebe beiden Seiten Planungssicherheit und Struktur, so Sommer „Wer gute Fachkräfte haben und halten will, muss diese gut entlohnen. Sonst findet er bald keine mehr. Wer billig entlohnt, denkt zu kurz. Das rächt sich irgendwann. Als Arbeitgeber möchte man ja gute Qualitätsarbeit. Darum muss man als Arbeitgeber seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch pflegen und fair entlohnen.“

„Boryszew als Industriestandort ist wichtig für die Stadt Prenzlau“, betonte Jörg Dittberner, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke in der Stadtverordnetenversammlung Prenzlau. „Die Stadt hat nach dem Brand 2016 in dem Unternehmen viel für Boryszew getan und viele Kolleginnen und Kollegen haben dem Unternehmen die Stange gehalten. Dafür sollte sich das Unternehmen erkenntlich zeigen. Die Kolleginnen und Kollegen haben es verdient, nach einem Flächentarifvertrag bezahlt zu werden. So kann das Unternehmen auch seine Wertschätzung für die Arbeit der Menschen zeigen. Mit der Zahlung lediglich des Mindestlohns zeigt man eine solche Wertschätzung nicht.“

„Wir verlieren hier in Prenzlau Einwohner. Damit es sich lohnt, hierzubleiben oder hierherzuziehen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört auch, dass sich die Menschen bei ihren Arbeitgebern wohlfühlen“, sagte Sören Gerulat, Vorstandsmitglied der FDP Uckermark und ebenfalls Stadtverordneter in Prenzlau. „Der Kampf gegen Niedriglöhne ist wichtig, weil wir sonst im Vergleich zu anderen Städten und Regionen keine Chancengleichheit haben.“

„Nur die Einführung des IG Metall-Flächentarifvertrags der Holz- und Kunststoffindustrie bringt uns perspektivisch eine faire Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen“, betonte Dennis Hoppe, Betriebsratsvorsitzender bei Boryszew. „Das bisher vorherrschende Nasenprämiensystem muss endlich durch ein einheitliches, tariflich geregeltes Entgeltsystem ersetzt werden. Es kann nicht sein, dass Kolleginnen und Kollegen, die die gleichen Tätigkeiten machen, je nach Sympathie unterschiedlich bezahlt werden.“

„Die Leistungen der Belegschaft mit Lobeshymnen zu rühmen, reicht nicht mehr aus“, sagte Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg. „Die Kolleginnen und Kollegen haben es verdient, dass ihre Leistungen entsprechend und fair bezahlt werden.“ Es müsse „endlich Schluss sein mit billig“, so Wachsmann. „Die Geduld unserer Mitglieder im Betrieb ist am Ende. Sie haben uns deshalb den Auftrag erteilt, den bestehenden Haustarifvertrag zum 31. Juli zu kündigen“, erläuterte Wachsmann. „Ab den 1. August ist die Friedenpflicht vorbei. Das heißt, dann sind Arbeitskampfmaßnahmen möglich, sollte Boryszew seinen Billiglohnkurs nicht ändern. Wir hoffen, dass die Geschäftsführung sich bei der nächsten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche endlich bewegt und uns entgegenkommt. Wenn die Lage eskalieren sollte, trägt die Geschäftsführung dafür die Verantwortung.“