IG Metall Ostbrandenburg
https://www.igmetall-ostbrandenburg.de/aktuelles/meldung/thyssenkrupp-rothe-erde-gibt-standort-in-eberswalde-trotz-politischer-unterstuetzung-und-aufgezeigter/
07.03.2021, 10:03 Uhr

Schließung Ende 2021

Thyssenkrupp Rothe Erde gibt Standort in Eberswalde trotz politischer Unterstützung und aufgezeigter Perspektiven auf

  • 29.01.2021
  • Aktuelles, Metall- und Elektroindustrie

Die Thyssenkrupp Rothe Erde GmbH schließt ihren Standort in Eberswalde zum Jahresende 2021. Das hat die Geschäftsführung am 26. Januar 2021 bekannt gegeben. Zuvor hatte es am 19. Januar 2021 eine Videokonferenz zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat, IG Metall und Vertretern des Landes Brandenburg gegeben. Dabei wurden der Geschäftsführung noch einmal neue Ideen vorgestellt und Unterstützung über alle politischen Instanzen hinweg angeboten.

Der Kampf der Kolleginnen und Kollegen von Rothe Erde in Eberswalde für ihren Standort war letztendlich erfolglos. - Foto: IG Metall

75 Kolleginnen und Kollegen verlieren jetzt zum Ende des Jahres ihren Job. Bei Thyssenkrupp Rothe Erde gilt der Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie. Einen gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden, wird für sie in der Region sehr schwierig. Für die Stadt Eberswalde und die Region ist die Schließung strukturpolitisch ein herber Schlag. „Damit fällt einer der letzten Industriebetriebe unserer traditionsreichen Region der Profitgier zum Opfer“, sagt Jörg Ullrich, Gewerkschaftssekretär der IG Metall. Die Thyssenkrupp Rothe Erde in Deutschland hat im letzten Geschäftsjahr einen Rekordgewinn in sehr hoher zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet.

Die IG Metall Ostbrandenburg sieht die Gefahr, dass zumindest Teile der Produktion in naher Zukunft nach Asien verlagert werden könnten. „In den Verhandlungen wurde uns mehrfach gesagt, dass das Unternehmen im internationalen Wettbewerb mit einer Produktion in Asien besser bestehen könne. Wie viel besser, konnte oder wollte die Geschäftsführung dabei bis zuletzt allerdings nicht beziffern“, so Jörg Ullrich.

„Das Handeln der Geschäftsführung ist für uns nicht plausibel. Es hätte deutlich früher auffallen müssen, dass es am Standort Prozesse überdacht werden müssen. Mit entsprechend mehr Zeit wäre es dann auch möglich gewesen, das Werk umzubauen und stichhaltige Konzepte umzusetzen“, sagt Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg. „So bleibt der Eindruck, dass Alternativen für das Werk in Eberswalde möglicherweise gar nicht gewollt waren.“

„IG Metall und Betriebsrat ist es gelungen, ein breites Bündnis für den Standorterhalt des Werkes in Eberswalde zu gewinnen. Das ist nicht alltäglich“, sagt Ludger Loop, Berater des Betriebsrates. „Dass die Geschäftsführung trotz aller Zusagen und der positiven Geschäftsergebnisse jetzt den Standort schließt statt auf Innovation zu setzen, hinterlässt einen faden Beigeschmack.“

Auch die Pläne der EU hätten dem Standort in Eberswalde unter Umständen gute Zukunftsaussichten verschafft. Plan der EU ist es, in den kommenden Jahren massiv in die Onshore-Windkraft zu investieren. In diesem Bereich wird in Eberswalde bisher produziert.

Die Ideen der Beschäftigten haben Einsparpotenziale in Millionenhöhe hervorgebracht, die vorgestellten Konzeptansätze des Betriebsrates wirtschaftliche Alternativen aufgezeigt. Die breiten Unterstützungsangebote von Landesregierung und der Stadt Eberswalde waren wirtschaftlich sehr attraktiv. „Eine weitere Effizienzsteigerung, Kostenreduzierung und neue Produkte im Werk Eberswalde wären mittelfristig realisierbar gewesen. Ob das Risiko dabei höher gewesen wäre als die Kosten durch die nun gewollte Werkschließung, ist auch unklar", sagt Holger Wachsmann. „Was die Beschäftigten in dieser kurzen Zeit an konstruktiven Ideen, Vorschlägen und Konzeptansätzen entwickelt haben, ist beeindruckend. Deshalb wird es jetzt für uns vor allem darum gehen, das Beste für unsere Mitglieder in den anstehenden Verhandlungen zu erstreiten.“

Für die IG Metall ist klar, dass der Konflikt damit nicht beendet ist. Jetzt geht es darum, einen Interessenausgleich und einen guten Sozialplan für die Beschäftigten zu verhandeln. „Der Einstieg in gute, kooperative Gespräche ist natürlich emotional schwierig.“, sagt der Erste Bevollmächtigte Holger Wachsmann. „Wie groß der Unmut in der Belegschaft über das unerwartete Umschwenken ihrer Geschäftsführung ist, kann sich sicherlich jeder vorstellen.“