18.11.2025 | Die deutsche Stahlindustrie befindet sich in einer existenzbedrohenden Krise. Damit die Branche hierzulande weiter bestehen kann, benötigt sie angesichts der wettbewerbsverzerrenden globalen Rahmenbedingungen dringend Unterstützung von politischer Seite. Vor diesem Hintergrund empfing Bundeskanzler Friedrich Merz am 6. November Vertreterinnen und Vertreter der Stahlindustrie, der IG Metall sowie Ministerpräsidenten und Bundesminister zu einem Spitzentreffen im Kanzleramt. Ziel dieses Treffen war es, endlich konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um die Wettbewerbsfähigkeit, die Klimatransformation und die Beschäftigung in der heimischen Stahlbranche zu sichern.
Bei diesem Treffen bekräftigte Bundeskanzler Merz, dass er hinter der deutschen Stahlindustrie stehe und die Bundesregierung zeitnah mehrere konkrete Maßnahmen umsetzen werde, um die heimische Stahlindustrie zu unterstützen.
Anders als in der Vergangenheit will die Bundesregierung vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen jetzt die entsprechenden Vorschläge der EU-Kommission aktiv vorantreiben. Denn fairer Wettbewerb und offene Märkte sind vor dem Hintergrund der Flut subventionierten Stahls aus China und durch die Zollproblematik mit den USA nicht mehr gegeben.
Folgende konkrete Maßnahmen will die Bundesregierung zeitnah umsetzen und vorantreiben:
Handelsschutz stärken – gegen Billigimporte und Marktverzerrung
Die Bundesregierung will sich in Brüssel für robuste Schutzmaßnahmen einsetzen, um die europäische Stahlindustrie vor Dumpingimporten – insbesondere aus China – zu schützen. Geplant sind neue Zölle und eine Begrenzung zollfreier Einfuhren. Des Weiteren soll der Mechanismus des europäischen CO2-Grenzausgleichs (Carbon Border Adjustment Mechanism, kurz CBAM) schnellstmöglich nachgebessert werden.
Energiekosten senken – Industriestrompreis soll kommen
Ab Januar 2026 soll ein staatlich geförderter Industriestrompreis eingeführt werden. Zusätzlich wird die Strompreiskompensation verlängert und ausgeweitet, um energieintensive Betriebe wie die Stahlindustrie zu entlasten. Die Bundesregierung geht davon aus, auch in diesem Punkt noch in diesem Jahr Klarheit mit der EU zu erreichen.
Heimische Produktion bevorzugen – „Local Content beziehungsweise Buy European“ als Prinzip
Bei öffentlichen Ausschreibungen soll künftig deutscher beziehungsweise europäischer Stahl bevorzugt werden. Das Ziel: Die heimische Produktion stärken und Leitmärkte für klimafreundlichen Stahl mit klaren Bedingungen schaffen. Die Bundesregierung unterstützt die Umstellung auf grünen Stahl durch Förderprogramme und die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK). Diese Förderungen sollen an Standort- und Beschäftigungssicherung gekoppelt werden.
IG Metall: Unternehmen stehen in der Verantwortung
„Bei diesem Stahlgipfel haben wir endlich ein besseres Verständnis mit der Politik erreicht und konkretere Aussagen zu notwendigen Maßnahmen von ihr erhalten“, sagt Metaller Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender im ArcelorMittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt. „Die Probleme der Stahlindustrie sind damit noch nicht gelöst, aber wir sind erstmal einen Schritt weiter.“ Die Zeit dränge weiterhin, mahnt Vogeler. Jetzt gehe es darum, dass die Vorhaben zügig umgesetzt werden. „Die Unternehmen stehen in der Pflicht, die neuen Spielräume zu nutzen und in Deutschland zu investieren“, bekräftigt Vogeler. „Die hiesigen Unternehmen müssen Verantwortung für ihre Standorte und ihre Beschäftigten übernehmen. Das Thema Werkschließungen muss vom Tisch.“