IG Metall Ostbrandenburg
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16.10.2021, 13:10 Uhr

Erste virtuelle Delegiertenversammlung

Auch digital stehen wir zusammen: Gemeinsam für eine starke Region!

  • 24.02.2021
  • Aktuelles, Politik und Gesellschaft, Geschäftsstelle, AGA

Mit mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern als bei mancher Präsenzveranstaltung in den Jahren zuvor hat die IG Metall am Samstag, 20. Februar 2021, eine Delegiertenversammlung erstmals als Videokonferenz durchgeführt. Wenige Tage vor dem Ende der Friedenspflicht demonstrierten die Delegierten Einigkeit und unterstrichen die Notwendigkeit ihrer Forderungen in der aktuellen Tarifrunde.

Holger Wachsmann leitete die Delegiertenversammlung aus der Geschäftsstelle in Frankfurt/Oder. - Foto: Jörg Ullrich/IG Metall

Zu Beginn der virtuellen Sitzung stellte Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, in Kürze den Geschäfts- und Kassenbericht 2020 vor. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Mitgliederzahl im Coronajahr 2020 nahezu stabil geblieben. „Die Beschränkungen durch die Coronakrise haben uns Neuerschließungen schwer gemacht“, sagte Wachsmann. „In punkto Mitgliedergewinnung und Betriebserschließungen haben wir noch Potentiale nach oben. Wo immer die Kolleginnen und Kollegen es wollen, unterstützen wir sie bei ihrem Kampf um Tarifverträge.“

In der Holz- und Kunststoffindustrie konnte Ende 2020 bereits ein Tarifabschluss erzielt werden: drei Prozent mehr Lohn in zwei Stufen. Dazu sagte Andreas Kokolsky, Betriebsratsvorsitzender bei Sonae Arauco: „Zum 1. Januar 2021 gibt es 1,5 Prozent mehr Geld, zum 1. Juli 2021 weitere 1,5 Prozent. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen können wir das als Erfolg verbuchen. Allerdings haben wir gegenüber den westlichen Tarifgebieten noch immer Nachholbedarf.“

Holger Wachsmann stellte den Delegierten auch die aktuelle Situation in einigen ausgewählten Betrieben vor: Das Thyssenkrupp-Rothe-Erde-Werk in Eberswalde wird trotz überzeugender Zukunftskonzeptvorschläge der Belegschaft und großer Unterstützung aus der Landespolitik Ende 2021 geschlossen, bei FSME in Eisenhüttenstadt droht der Arbeitgeber mit der Schließung der Schlossersparte. Wachsmann hatte auch gute Nachrichten: Für GEA AWP in Prenzlau konnte die IG Metall einen Krisentarifvertrag für die Zeit der Coronapandemie verhandeln, bei Boryszew in Prenzlau einen Ergänzungstarifvertrag. Dennis Hoppe, Betriebsratsvorsitzender bei Boryszew, berichtete den Delegierten: „Alle in den vergangenen Jahren entstandenen Ansprüche werden jetzt in zwei Stufen nachgezahlt.“

Wie in den vergangenen Jahren sieht Wachsmann auch für das Jahr 2021 einen der wesentlichen Schwerpunkte in der Stärkung der Tarifbindung, um die Attraktivität der Region zu steigern und Fachkräfte zu sichern. „Viele Beschäftigte in Ostbrandenburg arbeiten noch immer ohne Tarifvertrag“, sagte Wachsmann. Weitere Themenschwerpunkte 2021 werden die Stärkung der Vertrauensleutearbeit und die Vernetzung der Mitbestimmungsstrukturen sein. Für März und April sind örtliche Betriebsrätekonferenzen geplant. Ob diese als Präsenzveranstaltungen durchführbar sind, sei angesichts der Pandemie allerdings fraglich, so Wachsmann.

Für 2021 strebt die IG Metall Ostbrandenburg auch eine Intensivierung der örtlichen Bildungsarbeit an. „Wir haben eine sehr umfangreiche Seminarplanung“, so Wachsmann. „Wir hoffen, dass wir diese auch umsetzen können.“

Wachsmann wies die Delegierten auch auf den umfassenden Umbau und Ausbau der Homepage der Geschäftsstelle Ostbrandenburg www.igmetall-ostbrandenburg.de hin. Dort gibt es seit einiger Zeit beispielsweise Informationen in polnischer Sprache sowie Tipps für Bewerber und Bewerberinnen bei Tesla.

Mit Blick auf die aktuelle Tarifrunde sagte Holger Wachsmann: „Für uns stehen Beschäftigungssicherung, Zukunftsgestaltung und die Stabilisierung der Einkommen im Fokus dieser Tarifbewegung. Unser Ziel ist, einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge zu schaffen.“

Stephan Vetter, Tarifsekretär bei der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen hob zudem hervor, das Berlin-Brandenburg-Sachsen als einziger Bezirk in Ostdeutschland zusätzlich ein Tarifliches Angleichungsgeld für die Beschäftigten in der Region fordert. Zum aktuellen Stand der Verhandlungen mit den Arbeitgebern sagte Vetter, dass diese bisher auf Konfrontationskurs seien und lediglich „Nebelkerzen zünden“. „Sie glauben nicht, dass die Gewerkschaften zurzeit zu Aktionen fähig sind“, so Vetter. „Wir werden den Arbeitgebern zum Tarifauftakt am 1. März jedoch zeigen, wie aktionsfähig wir sind. Sämtliche Geschäftsstellen der IG Metall werden sich Anfang März mit eindrucksvollen Aktionen am Tarifauftakt beteiligen.“

Zum Ende der digitalen Sitzung sagte Wachsmann: „Ich hoffe, dass wir uns beim nächsten Mal bei einer Präsenzveranstaltung wiedersehen können. Das Zwischenmenschliche fehlt bei einem digitalen Treffen schon sehr.“ Dann könnten auch wieder Abstimmungen durchgeführt und Beschlüsse gefasst werden. Darauf wurde bei dieser ersten digitalen Delegiertenversammlung wegen rechtlicher Unsicherheiten verzichtet.