IG Metall Ostbrandenburg
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12.04.2021, 05:04 Uhr

TARIFRUNDE STAHL OST

Warnstreiks der IG Metall in Eisenhüttenstadt

  • 24.03.2021
  • Aktuelles, Bildergalerie, Stahlindustrie

Rund um das Stahlwerk in Eisenhüttenstadt haben am frühen Morgen des 23. März die Beschäftigten von ArcelorMittal, VEO, FQZ, Imperial ConPro und ArcelorMittal Recycling ihre Arbeit zwischen 6 Uhr und 8 Uhr niedergelegt, um den Druck auf die Arbeitgeber in der aktuellen Tarifrunde zu erhöhen. Zwei Stunden lang stand die Produktion weitgehend still: Die Beschäftigten blockierten die Werktore – vorbildlich Corona-konform mit dem gebotenen Abstand zueinander und mit Mund-Nasen-Schutz.

Die Beschäftigten vom Stahlwerk ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt senden mit ihrem Warnstreik ein deutliches Signal Richtung Arbeitgeber. - Fotos: Volker Wartmann

Die Auszubildenden rücken zu Beginn des Warnstreiks geschlossen an ...

... und "mauern" die Einfahrt zu Tor 1 zu.

Holger Wachmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg (links), freut sich über die hervorragende Beteiligung an diesem Warnstreik.

Die Forderung der Kolleginnen und Kollegen ist unmissverständlich.

IG Metall-Tarifsekretär Stephan Vetter erläuert den Kolleginnen und Kollegen den Stand der Tarifverhandlungen.

Die Beschäftigten unterstützen die Forderungen der IG Metall.

Der Betriebsratsvorsitzende Dirk Vogeler (links) fordert von den Arbeitgebern ein besseres Angebot.

Lächeln geht auch in Corona-Zeiten - selbst hinter einer Maske.

Frauenpower mit dem gebotenen Abstand.

Pünktlich zum Ende des Warnstreiks bauen die Auszubildenden die Mauer vor Tor 1 wieder ab.

Vor den Toren des Stahlwerks loderten im Morgengrauen des 23. März die Feuertonnen. Punkt 6 Uhr wurden die Tore dicht gemacht. Das Haupttor des größten ostdeutschen Stahlstandorts hatten Mitglieder der IG Metall Jugend Ostbrandenburg (Ortsjugendausschuss) zusätzlich noch mit einer meterhohen Wand aus bemalten Pappkartons symbolisch verbarrikadiert und zugemauert. „Die Teilnahme an diesem ersten Warnstreik ist hervorragend“, resümierte Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg. „Wir stehen hier nicht zum Spaß: Ich hoffe, das Signal kommt bei den Arbeitgebern an und sie legen in der nächsten Verhandlungsrunde ein akzeptables Angebot vor. Das bisherige Angebot geht gar nicht. Bewegen sich die Arbeitgeber nicht, müssen sie damit rechnen, dass weitere Warnstreiks folgen.“ Bisher haben die Arbeitgeber zwei Einmalzahlungen von 350 Euro für Mitte 2021 und Anfang 2022 angeboten. Nach ihren Vorstellungen soll der nächste Tarifvertrag bis Mitte 2022 laufen.

Beschäftigte erwarten besseres Angebot

„Ihr zeigt mit diesem Warnstreik, dass wir es auch in diesen schwierigen Zeiten schaffen, die Tore dicht zu machen“, sagte Dirk Vogeler, Mitglied der Verhandlungskommission der IG Metall. „Vor dem Hintergrund, dass selbst die Arbeitgeber sagen, dass die Auftragsbücher für Flachstahl so voll sind wie noch nie, ist unsere Forderung noch sehr bescheiden. Für den Betriebsratsvorsitzenden ist klar: „In dieser Tarifrunde muss sich im Portemonnaie der Kolleginnen und Kollegen etwas bewegen. Wir wollen ein besseres Angebot.“

Das forderte auch Heiko Nühse, Ortsvorstandsmitglied der IG Metall Ostbrandenburg und Mitglied der Tarifkommission: „Das bisherige Angebot der Arbeitgeber könnte man fast als Respektlosigkeit gegenüber uns Beschäftigten auslegen. Die Kolleginnen und Kollegen von VEO ebenso wie die Beschäftigten bei weiteren Dienstleistern von ArcelorMittal hier auf dem Werksgelände stehen hinter ihrer Forderung und unterstützten den Warnstreik.“

Keine Zweiklassengesellschaft bei Dienstleistern

Zur Situation der Dienstleiter in Eisenhüttenstadt, die auch im Bereich der Stahlindustrie tätig sind, sagte Holger Wachsmann: „Teilweise bestehen zwischen der Kernbelegschaft von ArcelorMittal und den Kumpeln bei den Dienstleistern Lohnunterschiede von bis zu 50 Prozent bei vergleichbaren Tätigkeiten. Dieses Lohngefälle ist zu groß und muss durch höhere Einkommen bei den Dienstleistern verkleinert werden.“ Der Bevollmächtigte betonte, wie wichtig es aus Sicht der IG Metall ist, dass um die Industriekerne herum keine Zweiklassengesellschaft entsteht. „Wenn Bereiche ausgegliedert werden, geht das zumeist auf Kosten der Beschäftigten. Dem müssen wir uns gemeinsam mit den betroffenen Kolleginnen und Kollegen entschieden entgegenstellen“, sagte Wachsmann. Der Chef der IG Metall Ostbrandenburg warnte: „Wenn die Lohnunterschiede zu groß sind, weckt das noch mehr Begehrlichkeiten bei den Arbeitgebern.“

Mehr Geld und Beschäftigungssicherung

Stephan Vetter, Tarifsekretär im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen und zuständig für die Stahlbranche, sagte: „Das bisherige Angebot der Arbeitgeber ist so nicht annehmbar – trotz der schwierigen Situation und der unterschiedlichen Gemengelage in der Stahlindustrie.“ Der IG Metall gehe es um Zukunftsgestaltung, so Vetter. „Wir wollen einen Zukunftstarifvertrag, der fair und sicher ist“, sagte Vetter. „Dazu braucht es zum einen mehr Geld, zum anderen eine Beschäftigungssicherung für die Kolleginnen und Kollegen in den Stahlbetrieben.“

Die IG Metall fordert für die rund 8000 Beschäftigten in der ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie ein Volumen von vier Prozent, das zur Stärkung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen sowie zur Finanzierung von Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden kann. Außerdem sollen die ausgelaufenen Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zur Altersteilzeit und zu Werkverträgen verlängert werden.

Den letztgenannten Forderungen haben die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde bereits zugestimmt. Ebenso haben sie signalisiert, einer Gesprächsverpflichtung zur Situation der dual Studierenden nachkommen. Außerdem wollen sie gern Gespräche über einen so genannten Transformationstarifvertrag aufnehmen. Ein weiteres Thema der IG Metall ist, die Ausbildung von zukünftigen Fachkräften in der Stahlindustrie attraktiver zu machen.

Der IG Metall erachtet das Angebot von lediglich zwei Einmalzahlungen bis Mitte 2022 als zu gering und die von den Arbeitgebern geforderte Laufzeit des Tarifvertrags bis Mitte 2022 als zu lang.